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Themenübersicht (Neueste zuerst)
Geschrieben von XVIII THE MOON - Gestern, 18:38
Heretics
Der Himmel hatte nie per se ein Nachwuchsproblem. Er hatte Erzengel, er hatte Auserwählte, er hatte ein Bewerbungsverfahren, das im Zweifel ein paar Jahrtausende dauerte und mit Demut endete, nicht mit einem Vertrag. Und er hatte brave Schäfchen auf Erde, welche immer, wenn auch oft übereifrig, das Wort Gottes predigten. Doch nun herrscht Krieg. Strenggenommen ein Krieg, den der Himmel selbst zu verantworten hat, aber es gibt eben Insitutionen die nehmen es nicht ganz so genau mit der Wahrheit. Accountability? Never heard of her. Doch neben der Schuld frage gibt es vor allem eine zu beantworten: Wer kämpft an der Front? Und wenn es eine Organisation gibt, welche Recruitment seit Jahrtausenden perfektioniert hat, dann ja wohl die Kirche.

Also hat die Inquisition ihre Ansprüche gesenkt, so tief, dass man in den Fluren mit den weißen Wänden immer noch von Berufung spricht, während man in Wahrheit einfach nimmt, wer greifbar ist. Und greifbar, das sind erstaunlich viele. Der Himmel über New York ist aufgerissen, die Hölle ist eingezogen wie eine besonders unangenehme neue Nachbarschaft, und mittendrin standen Menschen, die in dem ganzen Weltuntergang nicht in erster Linie Grauen gesehen haben, sondern die Chance ihres Lebens. Endlich Bedeutung. Endlich eine Erklärung dafür, warum es vorher nie geklappt hat. Endlich jemand, der ihnen zuhört und ihnen dafür auch noch Superkräfte gibt.

Die Menschen unter ihnen öffneten sie mit Nadeln und ein bisschen Latein (es war Magie, aber erzähl das mal ’nem Menschen), und was herauskommt, nennt man Hybrid. Und so kommt es, dass die Rekruten, freundlich gesagt, eine gemischte Truppe geworden sind. Denn dann sind da noch die, die mit alldem nie etwas zu tun haben wollten. Vampire, Werwölfe, Dragonkin – Wesen, die seit Jahrhunderten sehr bewusst einen Bogen um Gott und alle Teufel gemacht haben, weil sie eigene Probleme hatten und die kosmische Buchhaltung sie schlicht nicht interessierte. Bis Neutralität eben keine Position mehr war, sondern nur noch eine besonders kreative Art, zu spät zu kommen. Einige von ihnen haben nach Verbindung gesucht, andere danach ihre Welt zu retten. Und eventuell haben viele Wege schließlich nach Rom geführt.

Heilige sind das hier alle nicht. Wer sich anschaut, wen der Himmel in letzter Zeit für einsatzbereit hält, wird das auch nicht mehr erwarten.
eventually we are all chosen for something.
Elizabeth Lail?Free
the enlightened
[ J O S I E ]
"she was right about everything. she just needed the apocalypse to prove it"
Bevor die Hölle über New York schwebte, hat Josie Detox-Tees verkauft und Vorträge darüber gehalten, welche Kräfte im Verborgenen die Fäden ziehen, und ein Teil von ihr hat das sogar geglaubt, weil es sich besser anfühlte als die Vorstellung, die Welt sei einfach nur chaotisch. Ihre Community nannte sie die Erwachten. Ihre Familie nannte sie bekloppt, worauf in true millenial fashion der Kontaktabbruch folgte. Als New York aufriss, war das Erste was Josie fühlte nicht etwa Angst, oder Verwirrung. Es war Genugtuung. Die Inquisition hat sie nicht wegen ihres Glaubens rekrutiert. Sie hat sie rekrutiert, weil eine Frau, die zehntausend Menschen dazu bringt, Kupferarmbänder zu kaufen, auch zehntausend Menschen dazu bringen kann, für eine heilige Sache zu kämpfen – wenn man ihr nur die richtige Bühne gibt. Josie hat das Angebot in ihrer krankhaften Suche nach Bestätigung angenommen, ohne den Deal wirklich zu lesen. In ihrem Kopf gehörte sie schon immer zur richtigen Seite, die Kirche hat nur endlich bestätigt, was ihr Kanal seit Jahren behauptet. Ihre neue Gabe verstärkt genau das, was sie vorher schon konnte: Leute glauben lassen, sie bekämen die Wahrheit angeboten. Nur predigt sie jetzt keine Detox-Kuren mehr, sondern Erlösung – und der Unterschied ist für sie kleiner, als er sein sollte.
Dan Stevens?free
the deputy
[ D A R Y L ]
"fifteen years with a badge, and no one ever called him what he really was. now they call him blessed."
Fünfzehn Jahre Streifenpolizist in einer Kleinstadt, in der nie etwas passiert ist, außer den Dingen, die Daryl selbst passieren ließ, wenn ihm nach Autorität war und niemand hinsah. Er hat sich immer für einen der Guten gehalten. Das war nie eine Frage, mit der er sich beschäftigt hat – es war einfach so, wie er sich selbst gesehen hat, seit der Polizeiakademie, seit dem ersten Abzeichen, das ihm das Gefühl gegeben hat, über etwas zu stehen. Als der Himmel aufbrach, war Daryl einer der Ersten, die zur Nationalgarde-Absperrung gerannt sind, nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil er zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl hatte, gebraucht zu werden. Die Inquisition hat ihn dort gefunden, breitschultrig und redegewandt und vollkommen überzeugt, dass Ordnung eine Frage der richtigen Hand ist, die durchgreift. Und mit dem fragwürdigen Hang zu Gewalt und einer verzerrten Ansicht von Gerechtigkeit, war Daryl genau das, was die Inquisition gesucht hat. Was dabei rauskam, trägt jetzt eine Uniform mit anderem Wappen, hält sich für denselben Gerechten wie vorher und hat noch nie bemerkt, dass sich der Unterschied zwischen Recht und Macht in seinem Kopf schon vor dem Ritual aufgelöst hatte.
Milly Alcock?Frei
the influencer
[ C A S S ]
"the ratings were the best of her career. she has not stopped streaming since."
Cass war einmal fast berühmt. Nicht ganz, nie ganz, immer knapp daneben – ein Reality-Format, das nach einer Staffel abgesetzt wurde, ein Werbedeal, der geplatzt ist, bevor er unterschrieben war. Sie hat Jahre damit verbracht, die Aufmerksamkeit zurückzuholen, die sie einmal für eine Sekunde gehabt hat, und jede Sekunde, in der das nicht funktionierte, hat sich angefühlt wie ein persönliches Versagen, das die ganze Welt mitbekommen hat. Am Doomsday der die Hölle in den Himmel von New York warf, hat Cass als eine der Ersten live gestreamt. Die Regung ein Reflex, welcher sich über die Jahre eingebrannt hatte. Etwas passiert? Halt die Kamera drauf. Die Klickzahlen an diesem Abend waren die besten ihrer Karriere, und diese Erkenntnis hat etwas mit ihr gemacht, das sie selbst nicht ganz beim Namen nennen kann. Die Inquisition hat sie nicht wegen ihres Glaubens angesprochen, sondern wegen ihrer Reichweite – ein Gesicht, das Millionen kennen, lässt sich hervorragend zu einem Symbol umbauen.

Cass hat zugesagt, bevor sie zu Ende gehört hat, was das eigentlich bedeutet. Was aus ihr rauskam, ist telegen, gefährlich und ehrlich überzeugt, dass sie diesmal endlich die Hauptrolle bekommen hat, in der einzigen Geschichte, die je gezählt hat.
Michiel Huisman?Free
the pragmatic vampire
[ A D R I E N ]
"three wars, no allegiance, and still breathing. that is not luck. that is a policy."
Adrian ist alt genug, um drei Kriege überlebt zu haben, ohne sich für eine Seite zu entscheiden, und diese Konsequenz hat ihn bis heute am Leben gehalten. Vampire, die zu früh Partei ergreifen, sterben mit der Partei, die sie gewählt haben. Er hat sich mit Himmel und Hölle nie beschäftigt, weil beide seiner Existenz gleichgültig gegenüberstanden, solange er sich an die alten Abkommen hielt.

Der Rift im Himmel hat diese Rechnung verändert. Zum ersten Mal drohte nicht nur ein Krieg zwischen Himmel und Hölle, sondern auch die Offenlegung von allem, was seine Art seit Jahrhunderten verborgen gehalten hat. Als die Inquisition anfing, Wesen wie ihn anzuwerben, hat Adrian nicht aus Überzeugung zugesagt, sondern sah den Deal viel mehr als eine Absicherung. Wer auf der sicheren Seite eines Krieges steht, bekommt vor seinem Ableben zumindest eine Vorwarnung. Auf der anderen Seite stirbt man einfach nur. Er trägt den Glauben der anderen um sich herum wie ein gut geschnittenes Kostüm – überzeugend genug, um niemandem aufzufallen, innerlich vollkommen leer. Sollte sich die Lage drehen, wird Adrian mit derselben Selbstverständlichkeit die Seite wechseln, mit der er jetzt gewechselt ist.
Ilkka Villi?Frei
the outcast werewolf
[ R O W A N ]
"his pack didn't want him, and heaven opened it's arms."
In seinem Rudel war Rowan das, was man höflich schwach nennt und weniger höflich alles andere. Zu weich für die Ränge, die zählen, zu leise für eine Familie, die Stärke mit Lautstärke verwechselt. Er hat Jahrzehnte damit verbracht, sich einen Platz zu verdienen, der ihm nie zugestanden wurde. Als die Hölle über der Stadt erschien, haben sich die ansässigen Rudel geschlossen wie Fäuste, jedes für sich, misstrauisch gegenüber allem, was nicht zur eigenen Blutlinie gehörte. Rowan stand außerhalb, wie er immer außerhalb gestanden hat. Die Inquisition war die erste Institution, die ihn überhaupt gefragt hat, ob er dazugehören will. Das allein hat gereicht. Niemand hat ihm die Details der Sache erklärt, in die er sich hineinbegeben hat – es hat gereicht, dass ihn zum ersten Mal jemand gewollt hat. Was aus ihm geworden ist, ist stärker als das, was er vorher war, und loyaler, als es für ihn selbst gesund sein dürfte. Rowan hat noch nicht ganz begriffen, wie gefährlich diese Art von Dankbarkeit in den falschen Händen wird.
Emma D'arcy?Free
the ambitious dragonkin
[ O Z I A S ]
"empires crash around them but ozias has always been better at arriving than defending."
Dragonkin messen Wert selten in Glauben und fast immer in Territorium, und Ozias ist da keine Ausnahme, so alt their Blutlinie auch sein mag. They hat den Rift über New York nicht als Katastrophe gelesen, sondern als reine Korrektur von Mächten. Alte Ordnungen brechen zusammen, alte Mächte verschwinden, und wer klug genug ist, sich rechtzeitig zu positionieren, steht am Ende dort, wo vorher jemand anderes stand. Der Himmel bot dafür eine Plattform. Mehr hat es für they nie bedeutet. They betet nicht, they kniet nicht, und they hat kaum Interesse daran, die Feinheiten des Krieges zwischen Himmel und Hölle zu verstehen, den they im Grunde für einen Familienstreit unter Wesen hält, die sich für wichtiger halten, als sie sind. Was they interessiert, ist die Beobachtung, dass Institutionen im Umbruch Lücken erzeugen – und jemand diese Lücken füllen wird. Ozias hat beschlossen, dass they das sein wird. Innerhalb der Inquisition ist they höflich, kalkuliert und vollkommen unloyal, auf eine Weise, die noch niemand durchschaut hat. Sollte sich der Krieg als das falsche Pferd erweisen, wird Ozias es als Erste:r wissen – und als Erste:r gehen.